Zwischen Wort und Wirkung: Pragmatik in politischen Reden

Was ist Pragmatik?

Die Pragmatik untersucht, nach welchen Regeln und Mechanismen dieses Mehr an Bedeutung zustande kommt und in welcher Weise der Kontext dabei eine Rolle spielt. (Regine Eckardt, Sprache und Kontext 2021: 1)

Hmmm... schwer zu verstehen. Machen wir das einfacher.

In der Sprachwissenschaft gibt es verschiedene Bereiche der Untersuchung: Syntax, die die Satzstruktur im Sinne der Wortreihenfolge analysiert, Phonetik und Phonologie, die sich mit der Aussprache beschäftigen, Morphologie, die Affixe untersucht... Nicht so wichtig!

Interessanter sind hier Semantik und Pragmatik. Sie werden oft zusammen vorgestellt, da sie eng miteinander verbunden sind. Aber es gibt auch natürlich einen wichtigen Unterschied. Während sich die Semantik damit beschäftigt, was Wörter und Sätze wörtlich bedeuten, untersucht die Pragmatik, was gemeint ist – also das, was über den reinen Wortlaut hinausgeht. Gut, ein Beispiel hier:

(1) Sehen wir uns da oben.

Was bedeutet der Satz? Naja, wörtlich heißt es einfach, dass wir uns "da oben“ sehen. ... Nein, noch nicht weglaufen! Da steckt mehr dahinter.

Was versteht man unter "da oben"? Eine ganze Menge: dass wir uns in einem mindestens zweistöckigen Gebäude befinden, dass wir nicht im obersten Stockwerk sind, dass wir beide nach oben gehen werden, usw.

Wenn man also den Satz "sehen wir uns da oben" nur wörtlich versteht, bewegt man sich im Bereich der Semantik – und ist damit teilweise zufrieden. Man versteht den Satz. Aber nach kurzer Zeit stellt sich die Frage: Welches „oben“ ist eigentlich gemeint?

Guter Punkt. Und hier kommt die Pragmatik ins Spiel.

Stellen wir uns zwei Situationen vor:

  1. Ich lade dich nach der Schule zu einer Geburtstagsparty zu mir nach Hause ein. Du kommst rein, aber mir fällt ein, dass meine Mutter mich gebeten hat, ein Paket zum Nachbarn zu bringen. Ich sage, ich bin gleich wieder da – und verabschiede mich mit: „Sehen wir uns da oben.“
  2. Um 21 Uhr treffen wir uns im Pub Róisín Dubh in Galway. Du bist früher da, ich komme später. Im Erdgeschoss findet ein Konzert statt, der Raum ist völlig überfüllt. Du hast aber noch eine Idee: Du erinnerst dich daran, dass freitagabends im zweiten Stock eine Salsa-Party stattfindet, das wäre ja gerade richtig für uns, denkst du. Da sagst du mir, du musst kurz auf die Toilette, aber dass wir was neues probieren können und: "Sehen wir uns da oben."

Macht derselbe Satz hier einen Unterschied? Ja. Im ersten Fall meine ich mit "da oben“ mein Zimmer. Im zweiten Fall meinst du mit "da oben“ den Raum, in dem die Salsa-Party stattfindet.

Gleiche Wortwahl, unterschiedliche Intention, verstanden durch den Kontext. Dazu kommen vielleicht noch emotionale Aspekte: Im ersten Fall habe ich keine Lust, jetzt nochmal rauszugehen, weiß aber, es muss erledigt werden. Ich bin genervt, spreche den Satz entsprechend. Im zweiten Fall bist du aber begeistert von der genialen spontanen Idee und sagst ihn fröhlich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wörter und Sätze tragen Intentionen in sich, je nachdem, wo, wann und wie sie geäußert werden. Die Pragmatik versucht, genau diese Beziehung zwischen dem Gesagten und dem Hintergrundwissen, dem Kontext und dem Unterton zu erklären.

Hier ist es hilfreich, den Begriff "Common Ground" zu erwähnen. Damit ist das Wissen gemeint, das alle Gesprächsteilnehmer teilen. Sind wir Freunde, weißt du, wo ich aufgewachsen bin – und vice versa. Sind wir Kollege, wissen wir, welche Fächer wir unterrichten. Leben wir beide in Galway, wissen wir, dass der Fluss Corrib oft so aussieht, als würde er gleich über die Ufer treten. Dieser gemeinsame Wissensbestand verändert sich ständig im Gespräch. Common Ground ist also das, was in einer Situation als "allgemein bekannt" vorausgesetzt wird.

Fehlt dieses gemeinsame Wissen, kommt es zu Nachfragen: "Äh, Moment mal – welchen Fluss meint ihr?" (Kein Witz: Manche Sprachwissenschaftler nennen das tatsächlich eine Hey-wait-Reaktion, oder auch Äh-Moment-mal-Reaktion. Siehe Eckardt 2021: 77-78).

Und genau hier wird pragmatische Analyse besonders spannend – nämlich dann, wenn man sie auf politische Narrative anwendet.

Schauen wir uns mal an, wie die deutschen politischen Parteien mit dem Thema des sozialen Pflichtjahres umgehen. Dabei fokussieren wir uns darauf, was ein soziales Pflichtjahr laut den Parteien überhaupt ist. Zuvor sollten wir jedoch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Interpretation des Common Ground unterscheiden kann – du siehst möglicherweise mehr versteckte Erwartungen in den Narrativen, als ich hier aufliste.

Die Standpunktbeschreibungen der Parteien habe ich aus dem Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2025 zur These "Soziales Pflichtjahr: Für junge Erwachsene soll ein soziales Pflichtjahr eingeführt werden." entnommen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung wurden die Begründungen ausschließlich von den Parteien selbst beantwortet. Anstatt aus Parteidokumenten aus unterschiedlichen Jahren und Kontexten zu zitieren, habe ich mich bewusst für diese Quelle entschieden. Dadurch werden die Parteien auf eine vergleichbare Ebene gebracht: Die Antworten sind ähnlich lang, beziehen sich auf dieselbe Fragestellung und wurden im gleichen zeitlichen Kontext gegeben.

1) CDU / CSU

„Wir setzen perspektivisch auf ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, das wir mit der aufwachsenden Wehrpflicht zusammendenken. Der Dienst für das Gemeinwohl bringt Menschen unterschiedlicher Milieus, Religionen und Generationen zusammen. Er bietet die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, eröffnet jungen Menschen Chancen und schafft ein neues Wir-Gefühl.”

Das Common Ground in diesem Narrativ ist wohl:

  • es gibt kulturelle, religiöse und generationelle Spaltungen in der Gesellschaft (die durch Gemeinwohlorientierung überbrückt werden können);
  • ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ermöglicht jungen Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen, gegenseitig toleranter zu werden;
  • es gibt ein potenziell besseres Wir-Gefühl als das, was es jetzt gibt (und allgemein das Wir-Gefühl ist wertvoll).

Daraus folgt:

  • junge Menschen profitieren von staatlich organisierten Diensten;
  • ein staatlicher Pflichtdienst wird durch seinen integrativen Effekt legitimiert.

Das Argument für ein soziales Pflichtjahr wird hier vor allem durch einen gefühlsbetonten Diskurs gestützt.

2) PdF

„Ein soziales Pflichtjahr kann dazu beitragen, das Bewusstsein für Gemeinschaft und Gesellschaft zu stärken und fördert gleichzeitig langfristiges Engagement. Durch die Mitarbeit in Organisationen wie der Feuerwehr, dem THW oder in Pflegeeinrichtungen entwickeln junge Erwachsene ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Dies geht einher mit der Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes als Alternative zum sozialen Pflichtjahr.”

Das Common Ground ist:

  • Gemeinschaftsinn ist nicht konventionell, es muss aktiv gepflegt und gestärkt werden;
  • soziale Arbeit erzeugt automatisch Verantwortungsgefühl;
  • der Staat ist legitimiert, soziales Engagement zu strukturieren;
  • militärischer Dienst ist auch eine mögliche Option als soziale Arbeit.

Daraus folgt:

  • um das soziale Engagement und die kollektive Verantwortung der jüngeren Generation zu verbessern, ist das soziale Pflichtjahr eine effektive Lösung;
  • der Staat darf und soll dieses Engagement systematisch organisieren.

3) dieBasis

„Für dieBasis ist ein soziales Jahr nicht nur eine wichtige Möglichkeit zur individuellen Reifung der Persönlichkeit, sondern auch gesamtgesellschaftlich sinnvoll und notwendig. Pflicht und Zwang halten viele Basismitglieder jedoch nicht für die geeigneten Mittel, Eigenverantwortung, Solidarität, Empathie und Sozialverhalten zu stärken. Eher kann die Pflicht in Form von (finanziellen) Anreizen, z. B. bei Studium (elternunabhängiges BAföG) und Ausbildung (Meisterschule), umgesetzt werden.”

Die Common Grounds sind:

  • persönliche Entwicklung ist gesellschaftlich wertvoll;
  • staatlicher Zwang ist prinzipiell problematisch;
  • Verpflichtung kann psychologisch kontraproduktiv wirken.

Daraus folgt:

  • Interesse an sozialer Arbeit entsteht eher durch Anreize als durch Pflicht;
  • finanzielle und berufliche Vorteile sind ein geeigneteres Mittel als Zwang.

4) SPD

„Freiwilliges Engagement für die Gesellschaft ist für junge Menschen ein wertvoller Teil von Bildung. Die bestehenden Freiwilligendienste sind beliebt - vielerorts gibt es mehr Interessentinnen und Interessenten als Plätze. Wir wollen daher, dass Bund und Länder gemeinsam für eine bessere Finanzierung der Freiwilligendienste sorgen. Das „Taschengeld“ wollen wir so ausgestalten, dass auch junge Frauen und Männer aus einkommensärmeren Haushalten sich für einen Freiwilligendienst entscheiden können.”

Die Common Grounds sind:

  • viele junge Menschen wollen sich engagieren;
  • soziale Ungleichheit beeinflusst die Teilnahme;
  • der Staat trägt eine ausgleichende Verantwortung.

Daraus folgt:

  • das Hauptproblem ist nicht fehlende Motivation, sondern der Zugang, bzw. die finanzielle Attraktivität;
  • Zwang wird hier gar nicht diskutiert, weil er außerhalb des akzeptierten Denkrahmens liegt.

5) GRÜNE

„Viele Menschen – ob jung oder alt – möchten sich im Freiwilligendienst engagieren. Das wollen wir fördern und deshalb die Bedingungen für Freiwillige verbessern, indem wir ein Recht auf einen Freiwilligendienst schaffen und Plätze im Bundesfreiwilligendienst ausreichend und verlässlich finanzieren.”

Die Common Grounds sind:

  • beide junge und ältere Generationen interessieren sich für freiwilligen Dienst;
  • der Staat kann Rechte schaffen, ohne Zwang auszuüben;
  • die bestehende staatliche Unterstützung des Rechts und der Plätze für den Freiwilligendienst ist unzusreichend.

Daraus folgt:

  • der Staat ist für Infrastruktur und Finanzierung verantwortlich;
  • stabilere Strukturen führen automatisch zu mehr freiwilliger Teilnahme.

So, da sieht man hoffentlich ein wenig, wie viel mehr in politischen Aussagen steckt als ihre reine Wort-für-Wort-Bedeutung vermuten lässt. Die Parteien voraussetzen oft mehr, als sie direkt sagen. Das soziale Pflichtjahr wird je nach Partei unterschiedlich verstanden, entweder als notwendige Pflicht zur Stärkung des kollektives Gefühls oder als etwas, das freiwillig entstehen sollte, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen werden.

Wie wir alle schon eigentlich gut genug wissen, kann Wortwahl leicht Konflikte verursachen. Gemeint sind dabei Wörter, manchmal sogar einzelne Wörter, die Menschen mit bestimmten kulturellen, religiösen oder sozialen Hintergründen beleidigen können. Im sozialen Kontext sollte man sich auf solche Ausdrücke keinesfalls verlassen, da sie die Grundlage jeder Diskussion zerstören. Sie untergraben das Recht auf gleichberechtigte Mitsprache, indem sie eine hierarchische und dominante Sichtweise konstruieren.

Unter dem Begriff Slur versteht man laut Collins Folgendes:

A slur is an insulting remark which could damage someone's reputation. (Ein Slur ist eine beleidigende Bemerkung, die den Ruf einer Person schädigen kann.)

Diese Definition ist relativ grob. Darunter können viele Wörter oder auch ganze Sätze fallen. Ein Slur kann eine einzelne Person anonym beleidigen, etwa durch ein Schimpfwort wie "Arschloch", oder sich direkt auf eine bestimmte Personengruppe beziehen. Entscheidend ist dabei, dass ein diskriminierender Unterton vorhanden ist.

Eckardt ergänzt hierzu ein weiteres sprachwissenschaftliches Argument:

Das Problem bei Slurs ist also weniger, was das Wort selber bedeutet, als vielmehr, auf welchen Annahmen im Common Ground es fußt und wer diesen Common Ground teilt. (Regine Eckardt, Sprache und Kontext: 326)

Was passiert also pragmatisch, wenn man eine Pejoration verwendet? Schauen wir uns ein Beispiel von Eckardt an (Regine Eckardt, Sprache und Kontext: 291):

(2) Dieser Idiot Meier kommt zu dem Meeting.

Hier versteht man grob zwei Dinge: Erstens, dass Meier zu dem Meeting kommt, und zweitens, dass ich Meier nicht leiden kann. Das Wort "Idiot" fügt eine emotionale Dimension hinzu und signalisiert unmittelbar die Haltung des Sprechers.

...Ja, das alles hochtheoretisch und kompliziert erklärt, aber bleiben wir noch ein bisschen dabei.

Leider sieht man auch solche Wortverwendungen im politischen Kontext, eigentlich viel zu oft. Ein Beispiel ist eine Aussage von Boris Palmer (damals Bündnis 90/Die Grünen) vom 28. April 2023 an der Goethe-Universität Frankfurt, dokumentiert in einer Videoaufnahme (Primärquelle: Videoaufnahme; Sekundärquelle: WELT).

(3) ... "... Sie benutzen das N-Wort." Und dann habe ich gesagt, "ja, ich benutze das Wort, [N-Wort]." Tue ich auch hier in diesem Raum, weil der simple Sprechakt keinerlei Auskunft darüber gibt, ob die Person ein Nazi ist oder nicht.

Nach dieser Aussage argumentiert Palmer weiter, dass die Interpretation des N-Wortes kontextabhängig sei und nicht automatisch als Beleidigung verstanden werden müsse.

Hier zeigt sich also die Legitimierung des N-Wortes, da Palmer selbst im Gespräch das Slur verwendet. Seine eigene ethnokulturelle Einstellung zu den betroffenen Personen lässt sich zwar nicht direkt erkennen, aber die Tatsache ist, dass er passende Anlässe sieht, in denen das Slur in der Kommunikation effektiv eingesetzt werden darf, mit oder ohne bestimmte Konnotation, genau wie andere neutrale Wörter in der täglichen Kommunikation.

Übrigens, eine interessante Vergleichung zur Verwendung von Fluchsprache im Russischen und Deutschen findet man bei Dekoder (Daniel Bunčić, Mat – russische Vulgärsprache). Sie zeigt, wie unterschiedlich kulturelle und sprachliche Kontexte die Wirkung und Akzeptanz der Schimpfwörter bestimmen.

Als letztes Rhetorikbeispiel betrachten wir Alexander Eichwald, der Ende November 2025 beim AfD-Jugendkongress eine Rede hielt.

... die Liebe und Reue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam, denn was wir im individuellen Herzen tragen, teilen wir uns hier alle in entschlossener Eintracht. Das Wohl und die Aufrechterhaltung unseres Volkes, unserer Heimat, unserer Kultur und der Sicherstellung einer Zukunft, wo ein deutsches Kind nie wieder Scham empfinden sollte, Deutsch zu sein, weil es zu einer Mindenheit an einer deutschen Schule wurde. ... nie wieder sollen Politiker Deutschlands für andere oder für fremde Völker und Nationen arbeiten anstelle des eigenen. Nie wieder soll ein Deutscher im eigenen Land für den Stolz an seiner eigenen Nation und Kultur vom eigenen oder fremden Landsleuten beleidigt und erniedrigt werden, denn tagtäglich versuchen Linke und zentrale Kräfte, unsere wertvolle Kultur und unsere wertvolle Heimat zu zersetzen und, uns, diejenigen, denen Deutshcland dermaßen wichtig ist, dass wir unsere persönlichen und beruflichen Schicksale aufs Spiel setzen, versucht man mundtot zu machen, gar uns zu verbieten. Es liegt doch eben auch an uns, den Nichtwähler zu zeigen, dass wir, dass eine Stimme für uns, für eine neue Richtung in der Politik steht. Weg von dem wiederkehrenden Teufelskreis der Koalitionen, wo sich nur die Farbenkombination steht zu unterscheiden, wo die Politikernamen sich nur ändern, die Inkompetenz bleibt weiterhin dieselbe. Es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen. Die Minderheit passt sich der Mehrheit an und nicht andersrum. Das ist Intergration. Ich finde es zudem bemerkenswert, wenn andere Parteien uns Rassismus und diskriminierendes Verhalten vorwerfen, nur weil wir als Deutsche entscheiden wollen, wer in unserer Heimat rein darf und wer nicht. Es sind eben die Meinungen der Menschen, die steht zu Gleichheit predigen und dann bei ihrer Haustierwahl nur bestimmt per Hass bevorziehen und sich anschaffen. Es sind die Menschen, welche laut schreien, dass in Deutschland geborenen Menschen automatisch Deutsch sind – bei einem Schwein, welches in einem Kuhstall geboren wurde, niemals sagen würden, "ja, es ist doch eine Kuh und kein Schwein." ... Wenn wir aber Menschen aus bestimmten Kultur als inkompatibel zu unserer Kultur und Gesellschaft betrachten, dann sind wir die Bösen. Wenn es mich zu einem Bösewicht macht, dann bin ich es gerne.

Fangen wir wieder an mit dem Common Ground:

  • Deutschland existiert als quasi-homogene, stabile Einheit. Es gibt ein klares "Deutschland" mit ihrer eigenen Kultur, die intern kohärent und extern abgrenzbar ist;
  • Deutschland ist bedroht von Fremdeinflüssen. Es gibt reale Kräfte, die Deutschland schaden, und die Bedrohung ist aktuell und dauerhaft;
  • Interessen der "Deutschen" werden von Politikern vernachlässigt;
  • Koalitionen sind sinnlos, korrupt und inkompetent
  • es entstehen die Grundannahmen, dass Herkunft und Identität sind eng verbunden, und gleichzeitig die Geburtsort die kulturelle Zugehörigkeit nicht sichert. Zugehörigkeit ist naturgegeben;
  • Integration ist keine Aushandlung, sondern Anpassung;
  • der Rassismusvorwurf gegen AfD ist unfair und strategisch. Dabei sind legitime Meinungen unter Drück gesetzt;
  • Schuld- und Schamdiskurse sind ungerechtfertigt.

Eichwald verwendet ebenfalls häufig die 2. Person Plural. Wer sind da genau mit "wir", "uns", "unsere" usw. gemeint?

"Wir" sind:

  • emotional mit Deutschland verbunden;
  • Teil derselben Heimat und Kultur;
  • bedroht von politischen Gegnern (Linken und zentralen Kräften);
  • nicht "Nichtwähler" = in diesem Kontext kann man das als AfD-Unterstützer interpretieren;
  • für die Begrenzung von Einwanderung basierend auf Integrationsfähigkeit.

Einerseits gehören "wir" kulturell zur Heimat Deutschland, andererseits zählt man nicht automatisch zu "uns", nur weil man in Deutschland geboren ist. Weiterhin sind "wir" eigentlich nicht einfach die deutschen Staatsbürger, sondern AfD-Unterstützer. "Wir" leben in einer durch Migrationspolitik verursachten Instabilität, in diesem Umfeld gleichzeitig als Opfer und Kämpfer.

Wichtig zu beachten ist dabei die Dehumanisierung von Menschen, die nicht zu dieser abstrakt zugeschriebenen Definition des "Volkes" gehören, also nicht zur 'einheitlichen' und 'homogenen' deutschen Kultur. Diese Gruppe wird durch "Schwein" repräsentiert. Hier wird biologisch argumentiert, dass der Geburtsort weder Zugehörigkeit noch Identität als Teil der Gesellschaft bestimmt. Und dieser ganze Narrativ ist dadurch nicht diskriminierend, sondern logisch.

Was da noch sehr abstrakt zugeschrieben ist "Deutschland". Es ist in diesem Gespräch nie präzise definiert. Was meint Eichwald dabei?

"Deutschland" erscheint als:

  • moralische Instanz;
  • leidenes Subjekt;
  • quasi-heiliges, ideologisch aufgeladenes Kollektivsymbol;
  • bedrohenes Objekt der Loyalität.

Allgemein hat Leute wie ich den Eindrück, dass der Text unnötig lang und sich wiederholend ist und dass er in einem Satz aus fünf Wörtern gut zusammengefasst werden könnte. Was aber den Text trotzdem lang macht, ist wiegesagt die starke Redundanz, die durch emotionale Überwältigung verursacht wird. Das Ziel ist nicht die faktische Informationsübermittlung, sondern den Eindruck von "Tiefe" zu erzeugen. Dabei ist die Bereitstellung von Inhalten nicht erforderlich. Dieses Merkmal in der Rhetorik mit kaum argumentativer Progression ist klassisch für populistische Massenrede. Gleichzeitig siht man die Übersimplifizierung von Tatsachen, was typisch für die Redeart der AfD ist – eher auf Subjektivität basiert, nicht auf objektiver Faktenanalyse.

Weiterhin, wenn's dich interessiert, würde ich empfehlen, die Rede auf YouTube noch anzuschauen, denn Gestik und Aussprache spielen auch hier eine große Rolle für die Interpretation. Eichwald wurde wegen seiner Rede stark kritisiert, da er mit seiner visuellen und akustischen Effekt das Publikum an Hitler erinnerte.

Kurz gesagt: Sprachwissenschaft kann an manchen Stellen nützlich sein. Am Ende geht es ja um Kommunikation und Sprache – etwas, das wir alle schon lange als Werkzeuge besitzen. Also eigentlich ist hier in dieser Artikel nichts wirklich Neues zu lesen. Aber gleichzeitig verlieren wir uns oft genug in politischen Diskursen, weil diese häufig unklar sind und Korruption hinter Formalitäten verborgen bleibt – was wiederum zu vielen sozialen Konflikten führt. Doch manchmal sind es die Formulierungen, die uns einen Einblick in die Absicht des Sprechers geben. Daher wäre es vielleicht angebracht, die Codeknacker in der Kommunikation der Redebankiers einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

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日本の歴史教科書は、なぜ責任を語らない物語としての批判を受けるのか?

日本の歴史教科書は、なぜ責任を語らない物語としての批判を受けるのか?

日本の歴史の検定教科書は、世界の学者からしばしば、偏った国家保守的な見方を含んでいるとして非難されてきました。私自身も、教科書に頻出する「我が国」という表現や、出来事を淡々と時系列で並べる、分析を避けた語り口に、以前から違和感を覚えてきました。 それは単なる言葉遣いの問題ではなく、国家、戦争責任、そして歴史そのものをどう扱うのかという、より深い姿勢を反映しているように思えます。ここでは、日本の歴史教科書がどのような言語的・制度的枠組みのもとで、責任を曖昧にするナラティブを作り上げてきたのかを考えていきます。 1.教科書が作り出す「日本」という主体 日本の多くの歴史教科書の根底にあるのは、「日本」を文化的・民族的に統一された主体として捉える視点です。国家、軍指導部、一般国民のあいだに存在したはずの内部分裂や意見の相違、権力の非対称性はしばしば曖昧にされる一方で、歴史的苦悩や記憶の継承については強い一体感が強調されるという傾向が、戦後から現在にかけて度々批判の対象となりました。 こうして、切れ目のない国民的主体が生み出され、戦時中の侵略に対する責任は軽視、あるいは曖昧にされていき

By Aki Bevin Yanagida